Der Sommergarten ist Gelb

Gluthitze macht sich breit und lähmt Gärtner und Gärtnerin. Der Tag beginnt mit dem Ritual des Wässerns von Gemüse und neu gepflanzten Stauden. Über Mittag bleibt nur, von südlichen Ländern zu lernen und Siesta einzulegen. Jeden Morgen fällt der hoffnungsvolle Blick auf den Wetterbericht: Wo bleibt der erlösende Regen, das kühlende Naß, das Garten, Tiere und nicht zuletzt der Mensch so dringend herbeisehnen. Die Morgenstunden, wenn die ersten Strahlen der Sonne in den Garten fallen, entschädigt mit seinen romantischen Ausblicken in den Garten für diese Sommerqual. Auch der Abend, bevor die unbarmherzige Sonne ihre Kraft verliert, lockt noch einmal in den Garten um unvergleichliche Momente des Glücks zu erleben, wenn die Farben der Sommerblüten wie in einer Illumination vor dunklem Schatten funkeln. Das ist auch die Zeit der Königin der Nacht – der Nachtkerze. Wie Kinder zieht es uns an ihre Stauden, deren Blüten der vorherigen Nacht ihren Glanz verloren haben, aber mit spitzen grünen Fackeln ein Wunder verheißen. Jetzt heißt es „Aufgepasst“, zuckt hier die grüne Schale der Knospe, lugt schon ein gelbes Blatt hervor, springt etwas auf und verharrt. Dann plötzlich schnackt ein grünes Knopsenblatt zurück und im gleichen Moment springen die Blüttenblätter auf und beginnen sich majestätisch zu glätten.

GEHÖLZGARTEN

Ruhig und kühl ist es im Gehölzgarten. Die Waldhortensie „Annabelle“ leuchtet am Eingang zu diesem Gartenteil, in dem Knöteriche und Hosta ihr sattes Grün ausbreiten. Noch blüht das Geranium in frischem Rosarot. Ein herrlicher Rückzugsraum für die Mittagsstunden im Schatten des Holunderbaumes.

GRÄSERPFAD

Im Gräserpfad hat der Gärtner das vertrocknete Narzissenlaub eingesammelt, bevor die Wucht der Gräser alles überdeckt. Knöteriche flankieren den kaum noch sichtbarenWeg. Mit üppigem Wuchs und leuchtendroten Fackeln gleich wippen ihre Blüten sich im sanften Windhauch hin und her.

KIESGARTEN

Mediterrane Hitze macht sich schon am Morgen im Kiesgarten breit. Fensterläden bleiben dicht verschlossen und Gärtner und Gärtnerin müssen sich schon nach draußen wagen um das wundervolle Blau von Lavendel und der Blauraute Perovskia zu bestaunen. Dazwischen locken Mädchenaugen „Full moon“ den Gärtner und ziehen ihn in ihren Bann. Das ist ein Klima für Wein und Feigen. Würziger Feigenduft durchströmt den Kiesgarten und erzählt vom Süden, von würzigen Kräutern und Oleanderblüten.

KÜCHENGARTEN

Erste Ernten sind schon von Gärtnerin und Gärtner zu leckeren Speisen zubereitet. Nun beginnt die Zeit der Zucchini. Die italienische „Trombetta D‘ Albenga“ erklimmt das Hochseil der Gartenmanege und vollführt dort ohne Netz wahre Salto mortale, während auf den Rängen der Hochbeete die Tomaten erste Früchte zeigen als klatschten sie der Zucchini Beifall. Paprika, Fenchel und Möhre schauen noch ängstlich gen Himmel. Ob sie auf Regen warten oder unserer Kletterkünstlerin zusehen, konnten wir nicht erfahren.

ROSENGARTEN

Geruhsamer geht es im Rosengarten zu. Die weiße Orlaja lockt zwischen den „Kyoto“-Gräsern und Bergenien mit zarter Struktur von Blättern und Blüte. Am Rande des Beetes blühen „Endless summer“ Hortensien gegenüber der Waldhortensie um die Wette. Jetzt ist das Weinlaub an der Gartenlaube so dicht, dass es Gärtnerin und Gärtner zu romantischen Abenden bei einem Schoppen Wein einlädt.

SCHATTENGARTEN

Schattige Kühle strahlen die Beete der Hortensien und Farene aus. Hier unter dem Kies finden sie feuchten Boden und der „Schwarze Germer“ schiebt seinen Blütenstängel fast zwei Meter in die Höhe. Während Gärtnerin und Gärtner noch auf die Blüten warten, locken schon winzige, kaum sichtbare rote Blüten dicht am Stängel ihre Gäste. Die schattenspendende weiße Rebe trägt dichte Trauben, während die Clematis montana mit weißen Blüten das Dach dieses Gartens verzaubert.

STAUDENGARTEN

Als wollten sie ein Spiegel der Sommersonne sein, leuchten Schafgarbe, Helianthus und Taglilie „Rainbows End“ im Sommerbeet. Gästen aus südlichen Ländern gleich, stehen weiße Juccablüten am Rande des Beetes. Duftendes Seifenkraut „Saponaria“ und Indianernessel in Weiß und Blauviolett leuchten im Abendlicht. Fein ziselierte blaue Distelkugeln erweisen sich als gern besuchte Nektarquellen, hier trifft man sich zum Lunch. In frischem Grün, wie man es derzeit kaum erwarten würde, steht das Plattährengras zwischen den Taglilien. Abends bei lauwarmem Luft genießen Gärtnerin und Gärtner romantische Stunden bei Kerzenschein.

TAGLILIENGARTEN

Ein wahres Blütenfeuerwerk findet zu dieser Zeit im Taglilienbeet statt. Von fast Schwarzrot über saftig Orange und zartem Weiß leucht es hier jeden Tag aufs Neue. Der verblühte Diptam zeigt seine künslerische Ader, wenn er die Samenkapseln am Abend wie geschliffene Diamanten funkeln lässt. Jetzt ist ihre Zeit gekommen! – Die Lilien, in ihren Rosa Tanzkleidern mit Pünktchenmuster, bauschen sich auf und locken ihre Verehrer mit zärtlich winkenden Ärmchen auf die Tanzfläche. Es ist Sommer – und die Königin der Nacht zieht uns in ihren Bann, keinen ihrer Auftritte zu verpassen, es zieht uns zu ihr in den Teichgarten.

TEICHGARTEN

Wie eine Fatamorgana erscheint der Blick aufs Wasser an diesen heißen Tagen. Noch brilliert der Froschlöffel mit dem gewagten Blancespiel seiner winzigen Samenkügelchen, schiebt der Alant seine wuchtigen Blätter in den Teich und kleine Knospen aus den Blattachseln hervor. Davon geradezu belustigt scheint die „Weidenblättrige Sonnenblume“ ihren Auftritt in aller Seelenruhe vorzubereiten, während blaublütiges Hechtkraut und violetter Blutweiderich flammende Sonnenutergangsstimmung über dem Teich zaubern.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..