Was der Garten uns lehrt

Als wir vor genau 12 Jahren hier unsere Zelte aufschlugen, ahnten wir nicht, was uns blühte. Unser Paradies hieß die „Fränkische Trockenplatte“ oder die „Toskana Deutschlands“. Aus den Feuchtgebieten des Sauerlandes kommend, vernahmen wir seltsame Geräusche, als wir in unseren neuen Garten kamen: der Rasen knisterte unter unseren Füßen, als läge dort Stroh. Aber es duftet herrlich nach Äpfeln, Birnen und Zwetschgen – das musste doch das Paradies sein!

Kommt, ich nehme Euch mit auf eine kleine Reise in die Vergangenheit!

So verliefen die ersten Wochen und über den Winter saßen wir mit heißen Köpfen über unser Planungszeichnungen….

Heute können wir sagen, dass der Garten uns viel gelehrt hat. Es ging Schritt für Schritt, alles brauchte Zeit. Wir haben mittlerweile ein Gespür für die Bedürfnisse der Pflanzen und testen ihre Standorte aus. Vieles regelt sich von selbst und man muss manches erst gewähren lassen. Dabei denken wir auch an manche Vagabunden und Wegelagerer, wie z.B. Fingerhut, Königskerze u.v.a. mehr, die sich immer selbst ihren Platz suchen.

Gegen die Trockenheit haben wir entsprechende Stauden gesucht und gepflanzt, dabei auch eng gepflanzt und natürlich Gräser eingesetzt. Inzwischen haben wir für Beschattung gesorgt, aber Sonnenbrand ließ sich nicht vermeiden.

Heute in den frühen Morgenstunden aufgenommen:

und ein paar Beetszenen

Vom Gartenparadies zum Paradiesgarten

Wir sind hier geblieben, haben uns nicht in die Hölle stundenlanger Warteschlangen begeben, um ein paar schöne Tage des Jahres zu erhaschen. („Some kind of happiness is measured out in miles …“ The Beatles, Hey Bulldog, 1967) Ja – trotz aller Hitze und Wassermangel – wir genießen unseren Paradiesgarten.

Paradiesgarten – sofort entsteht bei uns im Kopf ein Bild von Obstbäumen voll reifer Früchte, üppigem duftendblühenden Sträuchern und Blumen, im Hintergrund murmelt und plätschert eine erfrischende Quelle oder glitzert ein ruhiger, bewachsener See in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Ein Garten voller Tiere aller Art.

Ein Bild vom paradiesischen Garten, das Menschen überall auf der Welt teilen. Es entstand in Regionen, die trocken und heiß waren, aber auch üppig grüne Orte, wie z.B. Oasen, kannten. Die Gärtner dieser Regionen waren bemüht diese Oasen zu erschaffen, zu pflegen und erhalten.

In diesem Jahr mit extremer Trockenheit stehen wir in unserem Garten vor einer so noch nicht gekannten, Herausforderung: wie erhalten wir unseren paradiesischen Garten?

Die Herausforderungen sind gewaltig:

  • Trockenheit
  • Starkregen
  • Starkwinde
  • Schwund der Bodenfruchtbarkeit
  • Schwund der Artenvielfalt, von Vögeln, Insekten, Reptilien und Säugetieren im Garten – der Biodiversität

Was ist bei unserer Gartengestaltung zu berücksichtigen:

Nicht nur der fehlende Regen, auch der Verdunstung aus dem Boden und dem Absinken des Grundwassers wollen wir etwas entgegensetzen. Der Aufbau von 1cm Humusschicht dauert im Schnitt 100 Jahre – ein fruchtbarer Boden ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Er muß vor Erosion durch Starkregen und Starkwinden geschützt werden und seine Fruchtbarkeit erhalten werden

Was ist zu tun?

Neben der Bepflanzung mit trockenheitsverträglicher Pflanzen, Feuchtigkeitsstufe 1, ist die Gestaltung mit Obstbäumen ideal. Sie bringen uns und den Pflanzen den Schatten, unter dem wir den Garten auch im Sommer genießen können. Obstbäume mit ihren Wurzeln verhindern Erosion durch Starkregen, und helfen das Wasser in den oberen Bodenschichten zu halten und ist für Tiere ein eigener Lebensraum. In ihrer Laubkrone wird die Kraft des Windes gebrochen, der zur Austrocknung und zum Fortwehen des Bodens führt. Die Laubkrone ist über der Erde ein eigener Lebensraum, der uns im Frühjahr mit seiner Blüte beglückt und im Herbst mit einer reichen Ernte leckerer Früchte. („Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“ ein mittelalterlicher Mönch namens Luther) Im Herbst fallen seine Blätter zu Boden. Dies organische Material bringt Nährstoffe zurück in den Boden und erhält die Fruchtbarkeit. Mit dem Einbringen von organischem Material wie Kompost verbessern wir die Fähigkeit des Bodens Wasser zu speichern. Kompost ist die Grundlage für vielfältiges Leben im Garten. Bei seiner Umsetzung sind kleinste Lebewesen beteiligt, die den Anfang einer Nahrungskette bilden, an deren Ende wir bei der Ernte stehen. Aber wie immer ist eine Kette nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Zu dieser Kette, die eigentlich ein Netz ist, gehören auch Tiere, an die wir nicht denken wie Käfer, Lurche, Igel, Vögel. Erst ihr ausgewogenes Zusammenspiel sichert einen gesunden Boden und vielfältiges Leben im Garten – einem paradiesischen Garten.

Wir freuen uns, euch unseren paradiesischen Garten zu zeigen, wie er nun mal ist in diesen Zeiten.

Die Zeit der Taglilien beginnt

Nach der fulminanten Blüte der Päonien, Iris und der Alten Rosen folgt Schlag auf Schlag die Hemerocallisblüte. Wir haben ihnen am Teich einen schönen Platz gegeben, aber auch in den Staudenbeeten sind sie das Tüpfelchen auf dem I.

In den Staudenbeeten wächst manches einfach rückwärts – seit Wochen hat es keinen Tropfen geregnet……die Vorräte sind verbraucht und jetzt sind wir gespannt, ob es morgen mal regnet.

Auf jeden Fall gibt es wieder einiges zu sehen, wenn die Besucher morgen kommen!

Ökologische Gartenästhetik oder natürliche Gartengestaltung

Mit der zunehmenden Erwärmung des Klimas und der zunehmenden Trockenheit stellt sich die Frage: Wie soll ein Garten gestaltet werden, der

  • dem Mensch ein Raum für Erholung ist,
  • Tieren und Pflanzen Nahrungsvielfalt und Lebensraum gibt.

Sinnliche Wahrnehmung, Ästhetik, ist im Garten so vielfältig wie in der Natur. Um einen Garten ökologisch ästhetisch zu gestalten gibt vielfältige Ansätze, von denen hier einige aufgeführt werden. Schönheit ist die unmittelbar ansprechende Ästhetik, unabhängig von gesellschaftlicher Bedeutung und Prägung.

Farbe:

Der Mensch nimmt Farben anders wahr als z.B. Insekten, die sich aber daran orientieren. Der Mensch gliedert die Farben in einem Farbkreis, aus dem er harmonische Gestaltungen ableitet. Eine davon ist die Kombination von sog. Komplementärfarben, wie z.B. Orange und Blau oder Gelb und Violett. Die Farbe Rot als reines Rot, wie beim Mohn, kommt in der Natur nur selten vor, ist im Garten meist das Ergebnis von Züchtungen. Den Farben wird auch eine emotionale Wirkung zugesprochen, die unmittelbar, aber auch kulturell gelernt sein kann, wie z.B. bei Schwarz und Weiß. Schwarz und Weiß haben im christlichen Europa eine entgegengesetzte Bedeutung wie z.B. in Japan.

In der Natur finden wir alle Farben nebeneinander. Besonders Kombinationen einer Farbe mit ihrer Komplementärfarbe bringt diese zum Leuchten. Wer Violett sagt muss auch Gelb sagen und zu Blau gehört Orange.  Im Verlauf der Jahreszeiten wechseln die Hauptfarben im Frühling vom Weiß der Schneeglöckchen über das Gelb der Osterglocken und das Weiß der Dichternarzissen und Obstblüte zum Blau der Iris sibirica. Der Sommer blüht in Gelb und Blau von Eisenhut Rittersporn. Herbstastern erfreuen in Violett und Rottönen, die auch im Herbstlaub der Gehölze zu finden sind. Insekten und Falter finden so zielgenau ihre Nahrung. Warum sollte also eine monochrome, einfarbige Gartengestaltung unser Herz ansprechen? Bei einem klassischen Orchester auf die Violine oder Bläser zu verzichten käme mir nicht in den Sinn.

Licht:

Die Natur und der Mensch, als Teil der Natur, sind auf den Lichtwechsel der Tages- und Jahreszeiten angewiesen. Nachtarbeit bei Kunstlicht kann zu gesundheitlichen Schäden führen. Das gleiche trifft auch für die Natur zu. Pflanzen und Tiere werden durch Kunstlicht, z.B. Straßenbeleuchtung, in ihrem Wachstum und Verhalten irritiert. Das kann tödliche Auswirkungen haben.  Besonders negativ sind Gartenbeleuchtungen, die durch Solarpanels betrieben werden. Neben der unnatürlichen Dauerbeleuchtung kommt hier noch das Flackern zum Ende der Akkuleistung. Natürliches Kerzenlicht ist auch bei einer geselligen Gartenrunde stimmungsvoller. Die meisten Gartenbewohner sind nachtaktiv und brauchen die Dämmerung und Dunkelheit.

Trockenheit und Bewässerung:

Mit zunehmender Trockenheit wird der Einsatz von Präriebepflanzung als Ausweg gepriesen. Ebenso wird das Mulchen mit Split, Sand oder Kies, als Schutz vor dem Austrocknen des Bodens, empfohlen. Für extreme Pflanzsituationen eine sinnvolle Maßnahme, die als Sand- oder Kiesbeet sehr gut wunderbar wirken kann. Prärie ist eine baumlose Steppe. Der Mensch genießt den Garten im Sommer unter dem schattenspendenden Blätterdach der Laubgehölze. Aus Obstbäumen leuchten reife Früchte im Herbst und locken mit ihrem Genuss. Hier finden auch Insekten, Vögel und andere tierische Bewohner des Gartens Lebensraum. Mit den Baumwurzeln wird der Boden vor Erosion geschützt und die tiefreichenden Wurzeln halten das Wasser in den oberen Schichten. Ein Rasenplatz unter einem Obstbaum ist für den Gärtner im Sommer ein gesuchter Ort. Im Rasen und offenem Boden finden Käfer Platz zur Eiablage, eine win-win Situation.  Für die Gestaltung sind Gehölze unverzichtbar, damit wirkt der Garten in der dritten Dimension.

Hierzu einige Links:

Die Rolle der Baumart im Landschaftswasserhaushalt

Selbstversorger zum Thema Wasserspiegel heben

Vagabunden:

Einjährige Wildstauden sind die ideale Ergänzung zur geplanten Bepflanzung. Sie bieten Insekten und anderen Tieren Nahrung, Unterschlupf und dem Gärtner immer wieder überraschende Erlebnisse. Da wo sie stören kann man sie reduzieren. Eine Aussaat sorgt im nächsten Jahr wieder für Überraschende Blicke. Bei uns wandern u.a. Fingerhut, Königskerze, Wilde Möhre, Strahlen-Breitsame und Nachtkerze und suchen sich ihre Plätze. Wenn die Nachtkerze mit dem Sonnenuntergang ihre Blüten innerhalb weniger Minuten öffnet, ist dies immer wieder ein Schauspiel.

Oasen für Vögel, Bienen, Libellen und Igel:

Teiche mit einer Flachwasserzone sind unverzichtbar für die Tierwelt im Sommer. Hier summt und brummt es und wenn es plätschert und spritzt, duscht sich die Amsel oder der Spatz. Im flachen Wasser kann auch der Igel seinen Durst löschen. Wird der Teich mit Regenwasser befüllt, so ist auch die Wasserhärte für die Bewohner des Gartens ideal. Der Gärtner wird belohnt mit dem Himmelsspielgel, in dem Garten und Wolken überraschende Blicke bieten.

Leitbild Obstwiese – Oase

Die vom Menschen bewirtschaftete Obstwiese ist eine der artenreichsten Landschaften, die in Mitteleuropa existiert. Hier treffen ökologische Vielfalt und Nachhaltigkeit im Erhalt des Lebensraums zusammen. Die Gärten aus trockeneren Regionen, Oasen, mit ihrem schattenspendenden Baumbestand sollten als Leitbild für künftige Gärten gelten, nicht die baumlose Steppe, die Prärie.

Wonnemonat Mai

Der Mai verspricht Blütenpracht, frisches Grün und Wachstum und das Schönste: er hält es!! Jetzt, da es auf den Letzten im Monat geht, zeigen wir noch ein paar Eindrücke. Hier in der Einfahrt das Sandbeet, das Kiesbeet und das Schatteneck mit Hosta, Farn und Co.

Die Blasenspieren, Physocarpus opulifolius, blühen, wie auch Iris germanica und Iris barbata-elatior, die alten und die englischen Rosen, Akeleien und die Färberkamille (sehr schön mit Allium christophii)

Wir machen heute mal blau

Blau – die Farbe der Romantik finden wir aktuell am Teich mit der Iris sibirica.

Morgens sitzen wir hier besonders gern, um die Flora und Fauna zu erleben.

In der Einfahrt blüht Linum perenne, der blaue Stauden-Lein, im Staudenbeet die Akelei und auf dem Fensterbrett die Aurikel

morgen treiben wir es bunt 😉

Sonnig und kühl – Ostern 2022

Tagsüber sonnig mit kaltem Wind, so empfanden wir die vergangene Woche. Die Sonne lockte uns aber trotzdem hinaus in den Garten. es gibt täglich Neues zu entdecken,

Die Narzissen im Gräserpfad sind der Hingucker – immer wieder blühen neue Sorten. Im Kiesbeet blühen bereits seit Jahren die Tulpen ‚Exotic Emperor‘ und etliche Küchenschellen, hier die Pulsatilla vulgaris in weiß,

Frühlingsanfang – jetzt geht es los!

Die Sonne lockt uns hinaus in den Garten. Die Luft ist kalt und der Wind fegt über die Beete. Neugierig spitzen wir, was denn jetzt schon blüht…

Im letzten Jahr war ich lange Zeit krank und kam erst kurz vor Weihnachten aus der Reha zurück. Nun suche ich die Frühjahrsblüher, die Reinhard im Spätherbst gesteckt hat. Jährlich kommen neue dazu……ah, da sehe ich schon einen neuen Lerchensporn Corydalis cava. Natürlich haben sich meine Hellebori tüchtig weiterentwickelt – eine wahre Freude, sie zu sehen.

Am Viburnum x bodnantense ‚Dawn‘ sitzt der Kleine Fuchs. Im Kiesbeet blühen Tulipa turkestanica, Pulsatilla vulgaris und die letzten Crocus. im Gräserpfad entrollt sich das gefiederte Laub des Wiesenknopfs Sanguisorba tenuifolia ‚Alba‘. Die kleinen Traubenhyazinthen Muscari azureum verschwinden fast unter den abgeschnittenen Stauden.

Frühlingsboten

Endlich war heute mal ganztägig Sonne angesagt! Ab in den Garten……

Die Bienchen sind schon emsig unterwegs und ich hörte, dass der Nachbar inzwischen Bienenstöcke aufgestellt hat. Ein Grund mehr, den Garten noch üppiger zu bepflanzen.

Die Schneeglöckchen mit besonderen Zeichnungen und Formen hatten wir im letzten Jahr von einer Gartenfreundin bekommen. Es ist wunderbar, wenn der Wind sie bewegt, quasi zum läuten bringt!