Landschaftspark Bettenburg

  • Eigenverlag
  • ISBN 978-3-00-069512-4
  • 34,80 € zzgl. Versand
  • Inhalt 220 Seite, Hardcover Fadenbindung
  • 159 Fotos
  • 3 grafische Karten
  • 1 historische Karte
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Kein Tag vergeht ohne Nachrichten über die Zerstörung unserer natürlichen
Lebensgrundlage. Höchste Zeit für den „Mut Natur neu zu denken„.

Der Landschaftgarten Bettenburg entstand in einer Zeit, des gesellschaftlichen Umbruchs. Wie heute ging eine tiefe Verunsicherung in das tägliche Leben jedes Einzelnen. Revolution lag in der Luft.
Aufklärung oder Romantik – Vernunft oder Gefühl – Wissenschaft oder Emotion.

Das Bild des Menschen, der Gesellschaft und das Verhältnis von Mensch und Natur wurde neu definiert.

In den Lesezirkeln wurde die „Kritik der reinen Vernunft“ des Philosophen Immanuel Kant und Goethes
Evolutionstheorie der Urpflanze diskutiert.


In dieser Zeit der Aufklärung, dem Anfang der Moderne, verfasste der
Kieler Professor C.C.L. Hirschfeld die erste deutschsprachige „Theorie
der Gartenkunst“
. Darin formulierte er eine Gartenkunst, die die
Wirkungen der Natur auf den Menschen in den Mittelpunkt stellte.
Damit ging sie weit über die vorherrschende englische Gartengestaltung
hinaus.


Mit der einzigartigen Umsetzung dieser Ideen im Landschaftspark
Bettenburg kann der Besucher auch heute noch die Wirkungen im sanftmelancholischen
Garten nachvollziehen. Erstmalig wird im vorliegenden Buch das vollständige
Skizzenbuch eines zeitgenössischen Porzellanmalers mit seinen
Kommentaren und allen Inschriften des Gartens abgedruckt. Anhand
von Karten der bayerischen Uraufnahme wird die Waldanlage
mit ihren noch vorhanden und verschollenen Bauten erlebbar.


Das ein Besuch des Landschaftsparks Bettenburg zu jeder
Jahreszeit ein wundervolles Erlebnis ist, belegen die zahlreichen
Abbildungen.

Mut – Natur
neu zu denken
.

Goethe und Hirschfeld

Das Labor im Park – Zum Englischen Garten in Goethes „Die Wahlverwandtschaften“

2.3. Der Englische Garten

Warum entstand der „englische Garten“ in seiner Zeit und warum in England?

Der Blick in die Geschichte zeigt England im Aufbau seines Kolonialen Weltreichs. Dazu bedurfte es Matrosen, Händler, Soldaten und Siedler. Soldaten und Militär prägten die englische Gesellschaft im 18. Jahrhundert. Die Landlords lebten im Zentrum des gesellschatlichen Lebens in London. Mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die die Kolonisierung bot, entvölkerten sie ihre Ländereien und investierten in Weideflächen für Schafe. Die Nachfrage für Wolle kam von Armee und Schiffsbesatzungen. Damit wandelte sich auch das gesellschaftliche Leben. Die Landlords bezogen ihre Ländereien, um dem Vergnügen der Jagd in Wald und Wiesen zu frönen. In Gemälden zelebriert sie ihren Lebensstil. Landschaft wurde zur Staffage. Als Vorbild nahm man das klassische Griechenland, die vermeintliche Idylle der arkadischen Landschaft mit ihren Schäfern. Ein beliebtes Gesellschaftsspiel war die Verkleidung als Schäfer und Schäferin. Ausstaffiert wurden die malerischen Landschaften mit vermeindlich griechischen Tempeln. Der erworbene Wohlstand aus Schafwirtschaft und kolonialem Handel mit Sklaven und den landwirtschaftlichen Gütern aus den Kolonien war der Grundstock für diesen Lebensstil. Eine eigene Gartenphilosophie und Ästhetik war der theoretische Überbau der dies Leben rechtfertigte.

Ziel des Englischen Gartens war es, eine natürliche Landschaft, nach den Gesezten der Malerei, künstlich zu erschaffen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts bildeten sich in England zwei Haupt – strömungen heraus.

Die erste Variante wurde von William Kent propagiert und sah die Schaffung von ‘arkadischen Ideallandschaften’ nach Bildvorlagen von Malern wie Claude Lorrain vor. Die Möglichkeit der Anpflanzung von Nutzpflanzen blieb weitestgehend unberücksichtigt.

Um 1800 vertraten Humphrey Repton und John Claudius Loudon eine zweite Richtung, die sich schließlich durchsetzen sollte. Hier wurde versucht, eine ästhetische Landschaftsgestaltung mit Land- Milch- und Viehwirtschaft zu verbinden. Die Abgrenzung von wirtschaftlich genutzter Fläche und eigentlichem Park sollte aufgehoben werden, ohne den ästhetischen Gesamteindruck zu schmälern.

In Deutschland tat sich vor allem der Kieler Professor der Philosophie C.C.L. Hirschfeld (1742 – 1792) als Theoretiker hervor. Seine 1885 in fünf Bänden erschienene ‘Theorie der Gartenkunst’ gilt als das bedeutendste Werk zu diesem Thema und war auch Goethe bekannt. Neben einigen besonderen Ausformungen der Theorie – wie die Hervorhebung des Schweizer Landlebens als ‘arkadisches Beispiel’ – findet sich auch bei ihm der für diese Zeit typische ‘poetische Tyrannenhaß’.

Einfaches, ländliches Leben wurde als Ideal gegen die hektische Betriebsamkeit der Stadt gesetzt. Auch eine pädagogische Wirkung des Gartens war – ähnlich den Engländern – von Hirschfeld beabsichtigt. Die neue Freiheit in der Gartengestaltung sollte sich in einem freien Denken, Fühlen und Handeln niederschlagen, weswegen er auch für die Aufhebung der Leibeigenschaft, die alsSklavenhalterei erachtet wurde, eintrat.

Johann Wolfgang Goethe: Die Wahlverwandtschaften

2. Der Schauplatz als Versinnbildlichung des Grundkonflikts

Schon der Schauplatz des Geschehens fragt nach der Möglichkeit der Naturbeherrschung und dem Verhältnis von Natur und Kultur: Die Gartengestaltung, der sich das Ehepaar Eduard und Charlotte auf ihrem Landsitz widmet, erfolgt im Rahmen der zeitgenössischen sog. ›Garten-Revolution‹ (Anreger: Christian C. L. Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst: 7, er entwarf den Park der Forstbaumschule in Kiel: 8). Der alte, französisch-barocke Garten des Absolutismus, der die Natur einem strengen, kulturellen Muster unterwirft (5), wird vom aufgeklärten Garten englischen Vorbilds abgelöst, der das harmonische Ineinander von Kultur und Natur umzusetzen sucht (6). Insofern Natur hier halb gebändigt, halb in freier Entfaltung belassen wird, steht diese Gartengestaltung in Analogie und Kontrast zum epochalen Ereignis der Französischen Revolution: Der ›Garten‹-Roman Die Wahlverwandtschaften lässt sich als politische Parabel auf die Suche nach einer Ordnung zwischen Absolutismus und Anarchie lesen. Damit stellt er zugleich generell die Frage nach der inneren Triebnatur des Menschen und weiter, wie mit dieser auf der Skala zwischen Entfesselung und Beherrschung umgegangen werden kann – als Frage nach der (Willens-)Freiheit der einzelnen Subjekte.

Goethes Park an der Ilm und C.C.L. Hirschfeld

Gerade im Park lässt sich das szenische Arrangement solcher, mannigfaltiger Atmosphären nachvollziehen. Gernot Böhme führt aus, dass sich die dem Park zugrunde liegende Gartentheorie Cay Lorenz Hirschfelds als quasi-objektiver Katalog lese, durch den sich die verschiedenen gewünschten Stimmungen und Atmosphären gartenkünstlerisch erzeugen und kompositorisch arrangieren ließen (vgl. Gernot Böhme, Für eine ökologische Naturästhetik. 1989: 90).

aus: Heterotopie Ilmpark
Raum zur Suche nach einer neuen Umweltästhetik
von Mats Werchohlad, S. 110

Zunächst beschäftigt sich Goethe nur theoretisch mit der Gartenkunst. Obwohl er selbst nie einen Fuß nach England setzt, fasziniert ihn die neue englische Gartenmode: der Landschaftsgarten. Er studiert die Schriften des damals bedeutendsten deutschen Gartentheoretikers Hirschfeld und setzt sich mit Botanik auseinander. Doch erst durch einen Besuch im Wörlitzer Gartenreich unweit von Weimar wird der Gärtner Goethe 1776 geboren. Der Literat und der Weimarer Herzog Karl August sind vom Park des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau so begeistert, dass sie beschließen, auch in Weimar eine solche Anlage zu errichten.

aus Mein schöner Garten, 23.09.2009

Das Original

Theorie der Gartenkunst im deutschen Textarchiv

Der deutsche Philosoph Gernot Böhme greift in seinem Buch „Für eine ökologische Naturästhetik“ Hirschfelds Beschreibung eines sanftmelancholischen Gartens auf und führt sie als beispielhaft für eine „ökologische Naturästhetik„.